Musik hält die Stimme gesund

Interview mit Gesundheitsökonom Joël Zollmarsch zum Thema „Stimme im Alter“.

Ebenso wie der Körper, baut auch die Stimme eines Menschen mit zunehmendem Alter ab. Warum das so ist, und was man trotzdem auch im Alter dagegen tun kann, erklärt uns Gesundheitsökonom Joël Zollmarsch in einem Interview mit den Stimm-Experten.

Musik hält die Stimme gesund

Stimm-Experten: Unser Körper verändert sich mit zunehmendem Alter. Die Muskulatur wird schwächer, Bewegungen werden langsamer, der Geist arbeitet nicht mehr so schnell wie früher. Herr Zollmarsch, hat das auch Einfluss auf die Stimme?

Joël Zollmarsch: Natürlich, all‘ diese Faktoren beeinflussen den Klang, das Tempo und den Inhalt unserer Stimme. Im Alter kommen in der Regel gesundheitliche Einschränkungen dazu. Der Kehlkopf kann verknöchern oder die Schleimhaut der Stimmlippen wird zunehmend unflexibler. Dies ist oft hormonell- beziehungsweise stoffwechselbedingt. Darüber hinaus fasst eine ältere Lunge nicht mehr so viel Luft wie die eines jüngeren Menschen. Das hat wiederum Auswirkungen auf die Atmung, die die Stimme schließlich maßgeblich beeinflusst. Im Extremfall bleibt die Stimme sogar ganz weg.

Stimm-Experten: Das Stimm-Volumen nimmt also im Alter ab. Welche Ursachen kann dieses Phänomen noch haben?

Joël Zollmarsch: Neben den bereits genannten Gründen wie dem physischen Abbau des Körpers, sprich der Muskulatur und des Lungenvolumens, können auch stoffwechselbedingte Aspekte eine Rolle spielen. Einen weiteren Einflussfaktor stellt die nachlassende Körperhaltung dar. Auch psychische Faktoren, wie demenzielle Erkrankungen, aber auch Depression können sich negativ auf die Stimme und ihr Volumen auswirken.

Stimm-Experten: Man kann einiges tun, um seinen Körper fit und gesund zu halten. Trifft dies auch auf die Stimme zu? Was können Senioren tun, um ihre Stimme zu schonen und zu pflegen?

Joël Zollmarsch: Grundsätzlich gilt, wenn die persönliche Wahrnehmung keinen Anlass für eine ärztliche Behandlung ergibt, sprich wenn der Mensch nicht unter der sich verändernden Stimme leidet, muss er sich auch nicht behandeln lassen. Nichtsdestotrotz können sich schon kleinste Maßnahmen positiv auf die Stimme und die Stimm-Hygiene auswirken. Beispielsweise hilft regelmäßiges durch die Nase atmen dabei, die Atemluft zu befeuchten, um somit automatisch die Stimmlippen geschmeidig zu halten. Zigaretten und Alkohol wiederum können der Stimme schaden, daher sollte vor allem im Alter auf diese Genussmittel ganz verzichtet werden.

Stimm-Experten: Sie kommen aus der Verwaltung einer großen Trägergesellschaft mit verschiedenen Einrichtungen für ältere und pflegebedürftige Menschen. Was tun Pflegeeinrichtungen und Altenheime für die Stimme Ihrer Bewohner und Patienten?

Joël Zollmarsch: Bei der Begleitung und Pflege älterer Menschen in Senioreneinrichtung wird neben der medizinischen und therapeutischen Behandlung (Medikamentengabe, Flüssigkeitszufuhr, Atemübungen, etc.) der Schwerpunkt auf die soziokulturelle und psychosoziale Begleitung der Bewohner gelegt. Hier können musikalische Angebote, wie gemeinschaftliches Singen oder Konzertbesuche, nicht nur stimmliche Fähigkeiten anregen, sondern auch die Motorik fördern. Die Bedeutung von Musik- und Tanztherapie nimmt in Pflegeeinrichtungen einen immer höheren Stellenwert ein.

Stimm-Experten: Sie sagen, dass die Bedeutung von Musik in den heutigen Pflegeeinrichtungen immer mehr zunimmt. Können Sie dies noch näher erläutern?

Joël Zollmarsch: Die Bedeutung von Musik ist sicherlich für jeden Senior individuell. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Oft wird Musik mit dem individuellen biografischen Hintergrund verbunden. Derzeit kommt die ältere Generation aus einer Zeit, in der Tanzschulen Hochkonjunktur hatten. Für viele ältere Menschen haben Musik und Tanz daher viel mit Erinnerung zu tun. Musik war und ist ein Mittel, um ein Gemeinschaftsgefühl zu erleben, Freude zu empfinden und die Probleme des Alltags zu vergessen. Musik kann dabei auf unterschiedlichste Art und Weise erlebt werden, egal ob alleine mit dem Kopfhörer auf, beim Besuch eines Chor- oder Popkonzertes, oder sogar bei einer Tanzveranstaltung mit Live-Band. Musik regt – übrigens gilt das für Menschen aller Altersklassen – sämtliche Sinne an, mobilisiert das Gehirn und produziert nachweislich Glückshormone. Insbesondere für ältere Menschen kann Musik sogar als Gedächtnisstütze wirken.

Stimm-Experten: Wie können Senioren also mit Musik die eigene Stimme trainieren? Herr Zollmarsch, was empfehlen Sie jedem alten Menschen (oder den Angehörigen), der Spaß an Musik hat?

Joël Zollmarsch: Die Stimme eines Menschen wird durch die Stimmlippen erzeugt. Diese sind Muskeln und können natürlich trainiert werden, wie jeder andere Muskel im Körper auch. Neben regelmäßigem durch die Nase atmen und dem Verzicht auf Nikotin und Alkohol sollten Menschen, die Spaß an Musik haben, am besten regelmäßig Singen und Mitsingen. Singen kann die Stimme nachweislich pflegen und das Stimmvolumen – auch mit gesundheitlichen Einschränkungen im Alter – erhalten. Wichtig dabei ist, eine Musik zu wählen, die einem gefällt, mit der man sich identifizieren kann und die etwas Positives in einem hervorruft.

Da Musik nachweislich als therapeutisches Mittel gilt, empfehle ich jedem Menschen, egal welchen Alters, Musik regelmäßig passiv und aktiv zu konsumieren. Insbesondere für ältere Menschen mit demenziellen Veränderungen oder Schlaganfallpatienten können Musik und Musizieren ein rehabilitierendes und sogar schmerzlinderndes Mittel darstellen.

Die Stimm-Experten bedanken sich bei Joël Zollmarsch für das angenehme Interview. 

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