Sprich – und ich zeig Dir, wer Du bist!

Was die Stimme über Ihre Persönlichkeit verrät.

Bei einem Bewerbungsgespräch bewertet Sie ein Computerprogramm lediglich anhand der Stimme? Klingt nach Science-Fiction – ist es aber nicht. Eine neue Software erstellt in wenigen Sekunden ein komplettes Persönlichkeitsprofil.

Sprich – und ich zeig Dir, wer Du bist!

Bei einem Bewerbungsgespräch bewertet Sie ein Computerprogramm lediglich anhand ihrer Stimme? Klingt nach Science-Fiction – ist es aber nicht. Die neue Software des Aachener Start-ups „Precire Technologies“ erstellt innerhalb von nur wenigen Sekunden ein komplettes Persönlichkeitsprofil, anhand einer einzigen Stimmprobe. Unternehmen wollen künftig so die passenden Mitarbeiter finden.

Das neue Computerprogramm zeichnet das Gespräch auf und analysiert Sprachrhythmus, Geschwindigkeit, Betonung, Satzbau und Wortwahl des Sprechenden. Anhand der ermittelten Daten könne man ablesen, ob ein potentieller Kandidat faul oder fleißig, neugierig oder eher ängstlich sei. Die Aufzeichnung dauert nur rund 15 Minuten. Was hier gesagt wird, spielt für die Stimm-Analyse keine Rolle – und doch könne man dem Ergebnis entnehmen, wie motiviert und wie belastbar der Bewerber ist, ob er eher kommunikativ oder schweigsam, ausgeglichen oder fürsorglich sei und sogar auch, ob dieser zu Depressionen neige.

Entwickelt wurde die Analyse-Software von einem Team aus 30 jungen Informatikern, Psychologen und Linguisten unter „Precire Technologies“-Geschäftsführer Dirk Gratzel, begleitet von Wissenschaftlern der RWTH Aachen, der LMU München und der Uni Hohenheim. „Zur Decodierung der menschlichen DNA braucht es eine Haarwurzel, zur Erfassung des Charakters eines Menschen müssen wir nur seine Stimme haben“, sagt Gratzel in einem Gespräch mit dem Magazin Stern. Seine Aussage erinnert dabei sofort an dunkle Science-Fiction Endzeit-Romane à la „Brave New World“ von Aldous Huxley oder „1984“ von George Orwell, in denen Überwachungsstaaten herrschen und der „gläserne Mensch“ bereits Wirklichkeit geworden ist.

Rund drei Jahre und unzählige Fragebögen, Einzelgespräche, Messwerte und Forschungsergebnisse dauerte es, die innovative Software zu entwickeln. Heute lasse sich jede Charaktereigenschaft einem bestimmten Sprachmuster zuordnen. Die Treffsicherheit liege bei circa 85 Prozent. „Das ist verglichen mit anderen psychologischen Verfahren sehr, sehr hoch", so Gratzel. Unabhängige Studien sowie Ergebnisse darüber, ob sich die durch den Stimmtest von „Precire“ eingestellten Mitarbeiter auch auf lange Sicht im Job bewähren, gibt es allerdings derzeit noch nicht. Gewerkschaften und Datenschützer sehen das Thema eher kritisch. Die erhobenen Audio-Daten der Stimmen der Bewerber greifen in das Persönlichkeitsrecht derer ein. Sowieso müsse man die Kandidaten eines Bewerbungsgespräches bei dem das Computerprogramm eingesetzt werde, vorab ausführlich über die Erhebung der Daten aufklären.

Selbst wenn Personalabteilungen die neue Stimm-Software in der Zukunft regelmäßig in Bewerbungsgesprächen einsetzen – ein Gespräch über Inhalte und berufliche Qualifikationen ersetzt diese nicht. Ein interessantes Instrument auf dem Gebiet der Stimm-Forschung ist sie aber schon jetzt.

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